Kreuzweg

 

 

Der Kreuzweg

Der Bildhauer Paul Brandenburg gibt diese Erläuterungen zu seinem 1975 geschaffenen Kreuzweg in unserer Kirche:

Der Kreuzweg ist nicht in einzelnen, isolierten Stationen gestaltet, sondern in Gruppen zusammengefasst, die meist auch thematisch eine Einheit bilden. Der Rhythmus der Bewegung springt von einer Bildgruppe auf die nächste über und macht somit deutlich, dass der ganze Kreuzweg als eine Einheit erlebt werden sollte.

 

 

1. Station: Christus steht hoch aufgerichtet vor Pilatus. Sein Blick geht über diesen hinweg („er gab ihm keine Antwort“) und macht damit deutlich, dass dieser Mann mit der großrednerischen Gebärde auf dem Thron keine Macht aus eigener Kraft hat. („Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.“) Das schreiende Volk hinter Christus stößt ihn aus seiner Gemeinschaft aus. Die leere Geste des Pilatus und die hasserfüllten Gesten des Volkes korrespondieren miteinander. Im Rücken des Volkes nimmt Christus das Kreuz auf.‘

2. Station: Niemand drängt ihn, völlig freiwillig beginnt er seinen Leidensweg für uns.

3. Station: Christus bricht unter dem Kreuz nieder. Aber mehr noch scheint ihn der Hass der Menschen hinter ihm zu Boden zu stoßen. Vor ihm zwei Gestalten in neugierig-hilfloser Haltung: Wie oft sind wir in Schuld, nicht durch Hass, sondern durch Passivität, durch fehlendes Engagement im rechten Augenblick, durch Lauheit des Herzens.

4. Station: Maria umfängt Christus mit liebevoller Geste, während er sie mit seinem Kreuz umgreift. Die andere Hand Mariens weist ihn weiter auf dem Erlösungsweg. Beide tauchen mit ihrem Blick tief in das Gesicht des anderen ein. Eine Möglichkeit der Christusbegegnung ist hier dargestellt: Im Gebet, in der Meditation finden wir das Antlitz Christi.

5. Station: Im Gegensatz zu dieser „vita contemplativa“ ist in der nächsten Station die „vita activa“ dargestellt. Es ist die Christusbegegnung im Handeln im Geiste Christi. Simon von Cyrene geht in gleich gebückter Körperhaltung mit gleich gewendetem Kopf, mit Christus unter dem Kreuz! Im helfenden Dienst wird er Christus ähnlich.

6. Station: Die dritte Form der Christusbegegnung ist im Bilde der Veronika dargestellt. Oft fehlt uns die Kraft zu einem tiefen Gebet, wir haben nicht die Möglichkeit zum helfenden Dienst, dann genügt es auch schon zu tun wie Veronika: Ganz still, wartend kniet sie da, den Blick fragend auf Christus gerichtet. Nur mit ihren Armen macht sie eine weit öffnende Gebärde. Wenn wir uns nur öffnen, dann wird Christus in uns eintauchen und sein Bild einprägen.

7. Station: Der in Tatenlosigkeit verharrenden Gestalt antwortet Christus nicht. Er bricht zum zweiten Mal unter dem Kreuz nieder.

8. Station: Auch das leere, äußerliche Mitleid der weinenden Frauen in der achten Station weist Christus zurück: „Weint nicht über mich, weint über euch …“ Aber das Weinen über die eigene Schuld ist schon ein Akt der Buße. So scheint die Gebärde Christi auch nicht nur Abwehr, sondern auch Einladung zur Nachfolge zu sein.

9. Station: Christus bricht unter der Last des Kreuzes, unserer Schuld, völlig zusammen.

10. Station: Christus wurde in äußerster Erniedrigung Mensch und nun entäußert er sich noch aller menschlichen Würde, allen Schutzes, allen Besitzes. Sein Gewähren lassen zeigt seine völlige Einwilligung in diese letzte Erniedrigung. „Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und seinen Mund nicht auftut“ lässt sich Christus an das Kreuz schlagen.

11. Station: Ohne Gegenwehr hängt sein freier Arm herab mit einer einwilligenden Gebärde der Hand.

12. Station: Alle begleitenden Figuren treten nun zurück. In völliger Verlassenheit stirbt Christus am Kreuz. Wie ein Baumstamm mit sich gabelnden Ästen ist er als der neue Lebensbaum eingespannt zwischen Himmel und Erde.

13. Station: In der 13. Station hält Maria stehend Christus in ihren Armen und bietet diesen zerbrochenen Körper uns als das Versöhnungsopfer für unsere Schuld. Sie steht hier als die Gestalt der Kirche, die uns heute noch immer auf dem Altar dieses Opfer darbietet.

14. Station: In dieser Station ist das Grab wie ein offenes Tor gestaltet, ein Durchgang, kein Endpunkt. Davor drei Gestalten, die mittlere in trauernder Haltung. Die kniende Gestalt blickt auf und breitet die Arme aus – ist es Trauer vor dem Grab oder ist es eine Gebärde des Staunens am Ostermorgen vor dem leeren Grab. Genauso ist die andere stehende Figur doppelt zu deuten als klagend oder in der Vision der Auferstehung.

15. Station: In aufleuchtenden Strahlen geschieht der Umbruch von Leid zur Freude. Der Untergrund symbolisiert Strahlen, aber auch aufbrechende Materie. Christus nahm in seiner Auferstehung unsere Auferstehung und die Neuschöpfung der Welt am Ende der Zeiten vorweg. So ist eigentlich jetzt schon alles irdische Leid überwunden.

 

Das Heilige GrabHeiliges Grab

Am Ende der Karfreitagsliturgie, wenn der johanneische Bericht der Kreuzabnahme und der Grablegung verlesen und das zuvor verehrte Kreuz hinter den Altar getragen wird, enthüllen Ministranten das Hl. Grab, eine Liegefigur des toten Christus. Der Brauch kommt aus Jerusalem, wo er schon im 4. Jahrhundert bezeugt wird. Von dort fand er Ende des 10. Jahrhunderts den Weg in den Westen, wahrscheinlich im Zusammenhang der Heilig-Land-Fahrten frommer Pilger, später der Kreuzfahrer.
Die Abbildungen des im Grab liegenden Heilands möchten zur Meditation des Glaubensartikels „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ anregen. Nicht nur das Sterben, sondern auch das Totsein, oder besser: das Bei-den-Toten-Sein hat eine heilsrelevante Bedeutung. Selbst im Tod finden wir den Herrn. Es gibt keinen Bereich mehr, an dem wir Gott nicht finden könnten, weil er von Gott verlassen wäre.
Die Holzskulptur in St. Hedwig, laut Inschrift von „Ioh. Gförer in Ehingen 1865“ geschaffen, stellt den aufgebahrten Leichnam Christi dar. Stilistisch erinnert die Figur an die Gotik, die im Historismus des 19. Jh. gerade auch für religiöse Kunst wieder aufgegriffen wurde.
Die Figur rechnet mit der Seitenansicht durch den Betrachter. Kopf und Oberkörper sind durch Keil und Kissen erhöht. Das strenge Profil des toten Heilands entspricht dem Kunstideal des vorletzten Jahrhunderts. Sein Oberkörper ist traditionell unverhüllt.
Die sparsame Modellierung des Körpers versetzt die Andachtsfigur in Distanz zum Betrachter. Die Blattgoldverzierungen und die Bemalung in dezenten Pastelltönen rücken Christus bereits in immaterielle, unnahbare Ferne.

Sibylle Miller und Heiko Merkelbach

 

Der Auferstandene

Auferstandener

Die im Stil des süddeutschen Barocks gestaltete Holzskulptur (ca. 1780) entspricht in ihrer bewegten Form ganz dem theatralischen Bedürfnis jener Zeit. Dargestellt ist das österliche Mysterium, der Moment der Auferstehung.

Die Christusskulptur ist geprägt vom Gegensatz des kraftvollen, geradezu irdischen Oberkörpers, der allerdings durch die klaffende Lanzenstichwunde entstellt ist, zum vergeistigten Gesichtsausdruck. Der Blick des Auferstandenen verliert sich verklärt in der Höhe, der Mund ist erwartungsvoll geöffnet. Noch hier oder schon dort…?

Dieses leichte innere Ungleichgewicht unterstreichen die Arme: die Linke fasst kraftlos die Kreuzesfahne, während die Rechte zum verheißungsvollen Segensgestus erhoben ist.

Die Bemalung des ornamental drapierten Tuches, die Lüstrierung (rote und blaue Lasur auf silbernem Grund) stammt aus dem Jahr 1838, damals wurde die Skulptur von A. Kreutle (Inschrift auf der Rückseite) neugefasst. Diese Fassung wurde bei der Restaurierung 2003 wieder hergestellt.

Sibylle Miller