Die Glasbausteinwände der Kirche St. Ulrich

Die beiden großen Glasbausteinwände geben der in den Jahren 1963-1966 von dem Stuttgarter Architekten Franz Brümmendorf entworfenen Kirche St. Ulrich ihren besonderen Charakter.  Inmitten der nüchternen, klaren Betonarchitektur setzen sie durch ihre Farbigkeit und Transparenz  einen ganz eigenen ästhetischen Impuls.

Die Glasbausteinwände,  die sich als Süd- und Nordfenster in der Vorhalle gegenüberstehen, sind Werke der Künstler Lothar Quinte (1923-2000) und Markus Prachensky (geb. 1932). Sie sind sehr gegensätzlich gestaltet. Im kühlen, strengen Nordfenster von Lothar Quinte dominieren verschiedene Blautöne und rechteckige Forme, während das Südfenster von Prachensky durch starkes Rot und bewegte, geschwungene Linien eine feurige Strahlkraft erhält.

Die Künstler 

Lothar Quinte wurde am 13. April 1923 in Neisse, Oberschlesien, geboren, wo er aufwuchs und die Schule besuchte. Im Anschluss absolvierte er von 1937 bis 1941 eine Malerlehre in Leipzig,  nach deren Ende er zum Kriegsdienst des Zweiten Weltkrieges eingezogen wurde. 1945 kehrte er wieder zurück  und besuchte bis 1950 die von HAP Grieshaber geleitete Kunstschule in Bernstein. Werke aus dieser Zeit waren abstrakte, informelle Darstellungen, die von großflächigen Farben dominiert wurden. 

Arbeiten aus den 60er Jahren wurden für sein Gesamtwerk charakteristisch. Dabei rückte er von der abstrakten Malerei ab und arbeitete mit Schwammtechniken. 

Ab Mitte der 60er Jahre entstanden Arbeiten in geometrischer Abstraktion. Dominiert wurde die Oberfläche, in der verschiedene Körper dargestellt wurden, von höchster Präzision.

Die große Glasbausteinwand für die Kirche St. Ulrich entstand 1966. Die Arbeit an Glasfenstern spielt in den 50er und 60er Jahren eine wichtige Rolle im Schaffen Lothar Quintes. Unter anderem gestaltete er zwei Jahre vor seiner Arbeit auch die Chorfenster für den Dom zu Lübeck.

Markus Prachensky gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern Österreichs. Er wurde 1932 in Innsbruck geboren und übersiedelte 1952 nach Wien, wo er an der Wiener Akademie der bildenden Künste studierte.

Er gründete gemeinsam mit Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und Arnulf Rainer 1956 die Gruppe “Galerie St.Stephan”.

Auslandsaufenthalte haben stets das Schaffen von Prachensky begleitet, etwa zahlreiche Reisen nach Paris oder der dreijährige Aufenthalt 1967-1970 in Los Angeles. 

In der Zeit, in die die Gestaltung der Kirche St. Ulrich fällt, hatte Prachensky für mehrere Jahre seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt in Deutschland.  1962 bezieht er sein Atelier in Stuttgart, verschiedene künstlerische Serien entstehen (u.a. die “Solitude-Serie”). 1965 dann die Glasbausteinarbeit in St. Ulrich.